Informationen zum Borkenkäfer und zur Bekämpfung

Bohrmehl auf der Rinde eines Baumstamms

Woran erkennen Sie frischen Käferbefall? Wann muss aufgearbeitet werden? Diese und viele weitere Fragen beantwortet diese Seite nicht nur anhand von Texten und Bildern, sondern auch mit Videos. Darüber hinaus sind für Sie die wichtigsten Fakten zur Förderung im Rahmen der insektizidfreien Borkenkäferbekämpfung zusammengefasst.

Aktuelles aus dem Amtsbereich

Derzeitige Entwicklung im Amtsgebiet

Ausgereifte Jungkäfer des Borkenkäfers in unter der RindeZoombild vorhanden

Foto: Bastian Medla

Mit Temperaturen von 18°C im Durchschnitt und teilweise über 30°C Tagesmaximalwerten war der Juni ein sehr warmer Monat und somit ideal für eine schnelle Brutentwicklung des Fichtenborkenkäfers. Trotz der ebenso hohen Niederschläge stehen wie erwartet die beinahe fertig entwickelten Jungkäfer aus der ersten Brut nun kurz davor auszuschwärmen, während die Altkäfer aktuell ausfliegen, um ihre Geschwisterbruten anzulegen.
BorkenkäferfalleZoombild vorhanden

Foto: Bastian Medla

Kontrollen im Bestand notwendig
Diese wetterbedingte Konzentration des Schwärmfluges spiegelt sich zurzeit auch in den Fangzahlen der Monitoring-Fallenstandorte im Landkreis wider. Denn mit knapp 6 000 Käfern pro Woche und Falle ist mit sehr hohem Käferbefall vor allem an stehenden Fichten zu rechnen. Schadflächen aus dem Vorjahr, Windwürfe sowie südexponierte und aufgerissene Waldränder sollten hierbei besonders beobachtet werden. Außerdem haben die Fichtenborkenkäfer ihren Befall aufgrund der sehr hohen Temperaturen der letzten Wochen - zumindest in Teilen - in die Bestandtiefe verlagert. Deshalb sind Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer ungeachtet der aktuell regnerischen Wetterlage weiterhin gehalten den eigenen Wald regelmäßig auf einen möglichen Befall zu kontrollieren.
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Aufarbeitung von befallenen Bäumen
Aktuell befallene Bäume, bei denen die Brutentwicklung fortgeschritten ist, sollten binnen 2 Wochen aufgearbeitet und noch vor Ausflug mindestens 500 Meter aus dem Wald gebracht bzw. entrindet werden. Sofern Letzteres in der kurzen Zeit nicht zu leisten ist, besteht ebenfalls die Möglichkeit der Bekämpfung mit Insektiziden. Dies sollte jedoch stets als letztes in Betracht gezogen werden.
Kupferstecher im Vergleich
Auch wenn der Kupferstecher kein vergleichbares Schadpotential zum Buchdrucker aufweist, sollte dieser nicht außer Acht gelassen werden. Auch aus dem Grund, dass er deutlich schwächere Fichten sowie Kronen- und Astmaterial bis 2cm Durchmesser befallen kann. Derzeitig besteht im gesamten Landkreis noch keine akute Gefahr, obwohl an zwei Fallenstandorten bereits über 50.000 Käfer pro Woche und Falle in den letzten Wochen gefangen wurden. Im Gegensatz zum Buchdrucker ist der Befall des Kupferstechers deutlich schwieriger zu erkennen. Der Befall am liegenden Holz zeichnet sich durch feines Bohrmehl ähnlich dem des Buchdruckers aus, während der Stehendbefall meist erst mit der Rotfärbung der Krone von oben herab festzustellen ist.
Förderung der Borkenkäferbekämpfung
Die Preise für Käferholz liegen bei ca. 25 bis 30 €/fm unter dem Frischholzpreis, so dass bei aktueller Holzmarktlage ca. 75 €/fm für Käferholz erzielt werden kann. Zusätzlich wird der Festmeter Käferholz bei insektizidfreier Borkenkäferbekämpfung vom AELF beim Ver-bringen aus dem Wald mit 12 €/fm und bei einer unverzüglichen Abfuhr ins Sägewerk mit 5 €/fm gefördert.
Ausblick
Die Hoffnung auf ein ruhigeres Borkenkäferjahr nach der anfänglich kühlen und nieder-schlagreichen Witterung schwand schnell mit den hohen Temperaturen der letzten Wochen. Damit kann es auch dieses Jahr wieder zu einem sehr hohen Käferbefall kommen.

Allgemeine Informationen zum Borkenkäfer in Bayern

Oktober 2021
Aktuelles Geschehen und Jahresrückblick

Verzögerte Entwicklung der Borkenkäfer durch kühle Witterung

In diesem Jahr war die Witterung während der Schwärmzeit von Buchdrucker und Kupferstecher bayernweit kühler und feuchter als in den Vorjahren. Dies bescherte den Fichtenbeständen vielerorts eine Verschnaufpause. Die Borkenkäfersituation entspannte sich – mit Ausnahme weniger Regionen in Nordbayern – ein wenig. Durch die kühl-feuchte Witterung verzögerte sich der erste Schwärmflug Mitte Mai um gut drei Wochen in Vergleich zum Vorjahr. Das Wettergeschehen hemmte auch die Entwicklungsgeschwindigkeit vom Ei bis zum fertigen Käfer, sodass die 2. Generation rund drei Wochen später als 2020 und sogar fünf Wochen später als 2018 angelegt wurde.

Keine Entwarnung für 2022

Auch wenn sich in diesem Jahr die Borkenkäfersituation in weiten Teilen Bayerns ein wenig entspannte, kann keinesfalls von einer Entwarnung für 2022 gesprochen werden.

Überwinterung in Bruthölzern

Borkenkäfer in der Rinde

Borkenkäfer überwintern zahlreich in der Rinde
Foto: Florian Stahl, LWF

Mit den sinkenden Temperaturen im Herbst endete die Schwärmsaison der Borkenkäfer. Die 2. Generation ist bayernweit fast überall fertig entwickelt. Ein Großteil der Käfer befindet sich nun unter der Rinde und wird dort in den Bruthölzern überwintern.

In diesem Jahr verstärkt: Rinde fällt früher ab

Fichte mit gelöster Rinde und BorkenkäferschadenZoombild vorhanden

Fichtenstamm mit gelöster Rinde
Foto: Florian Stahl, LWF

Durch die längere Entwicklungsdauer der Bruten und dem damit verbundenen längeren Fraßzeitraum der Larven und Jungkäfer saß in diesem Jahr die Rinde bereits im September besonders locker. Es ist also schon vor dem ersten Forst mit Rindenabfall zu rechnen! Fällt die Rinde ab, ziehen sich die Borkenkäfer aus der Rinde in den Boden zurück. Diese Borkenkäfer können über das Winterhalbjahr bei der Käferholzaufarbeitung nicht mehr aus dem Wald gebracht werden.

Handlungsempfehlungen
Maßnahmen für den Herbst und beginnenden Winter 2021

Überwinterungsbäume finden und aufarbeiten

Vom Borkenkäfer befallene Fichten mit roter Krone im WaldZoombild vorhanden

Vom Borkenkäfer befallene Fichten mit roter Krone in einem Bestand
Foto: Florian Stahl, LWF

Aktuell ist es wichtig, bisher noch nicht gefundene Überwinterungsbäume zu finden und zügig aufzuarbeiten. Mittlerweile sind die im Sommer befallenen, nicht aufgearbeiteten Fichten an ihren roten Kronen gut erkennbar. Neben dem Verlust der Rinde sind weitere Befallsmerkmale im Herbst Nadelverlust oder Harztröpfchen am Stamm.

Entnahme von befallenen Bäumen

Während der Herbst- und Wintermonate ist eine konsequente und möglichst vollständige Entnahme der befallenen Bäume, den Überwinterungsbäumen, eine entscheidende Weichenstellung für das Käfergeschehen im nächsten Frühjahr. Denn mit den jetzt gefundenen und waldschutzwirksam aufgearbeiteten Fichten wird die Käferpopulation im kommenden Jahr effektiv reduziert.

Kontrolle von Beständen im Winterhalbjahr

Auch wenn die Kontrollintervalle im Winterhalbjahr nicht mehr so kurz sein müssen wie im Sommer, sollten auch jetzt befallene Bäume rasch aufgearbeitet und aus dem Wald abgefahren werden.
Wichtig ist zudem, nicht nur die an ihrer roten Krone weithin sichtbaren Käferbäume aus dem Wald zu entfernen, sondern auch die benachbarten Fichten nach Befallsmerkmalen zu untersuchen. Nutzen Sie also die kommenden Monate zu einer wirkungsvollen Borkenkäferbekämpfung.

Weitere Informationen

Wie Sie Käferbefall erkennen und was Sie bei der Aufarbeitung beachten sollten, sehen Sie in den beiden Video-Tutorials und der Bildergalerie. Die insektizidfreie Borkenkäferbekämpfung wird finanziell vom Staat gefördert. Für eine kostenlose Beratung stehen Ihnen Ihr Revierförster oder unsere Fachkräfte für Borkenkäfer gerne zur Verfügung.

Einen detaillierten Einblick in das aktuelle Geschehen und in der Zusammenfassung zum Borkenkäferjahr 2021 sowie weitere Tipps zur Suche und Bekämpfung der Borkenkäfer finden Sie im aktuellen „Blickpunkt Waldschutz“ der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) unter folgenden Links: