Pflanzenschutzwarndienst für Mittelfranken
Aktuelle Hinweise vom 22. November 2021

Aufgrund der zu Ende gehenden Vegetation werden die Hinweise nur noch in größeren Abständen bei Bedarf aktualisiert.

Unser Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Ansbach gibt regelmäßig aktuelle Pflanzenschutz- und Anbauhinweise zu wichtigen Kulturen für Mittelfranken.

Grundsätzlicher Hinweis zur Düngeverordnung

Aktuelle Düngeverordnung

Beachten Sie die Vorgaben der Düngeverordnung und der Ausführungsverordnung (Rote und Gelbe Gebiete). Die detaillierten Hinweise und aktuellen Vorgaben und die derzeit gültigen Sperrfristen finden Sie im nachfolgenden Link.

Düngung und gesetzliche Grundlagen

Allgemeine Hinweise

Allgemeine Anmerkungen zur Ungras- und Unkrautbekämpfung
Auf Flächen, die mit Ungräsern keine Probleme haben, können auch mit dem Striegeln Erfahrungen gesammelt werden. Sofern die Witterung mitspielt, kann das sogenannte Blindstriegeln ca. 1 Woche nach der Saat die Unkrautkonkurrenz im frühesten Stadium noch vor dem Auflaufen der Kultur deutlich reduzieren. Anschließend müssen die Kulturpflanzen das Drei- bis Vier-Blattstadium erreicht haben und sollten durch die Schüttwirkung des Hackstriegels nicht selbst vollständig zugedeckt werden, um nicht geschädigt zu werden.
Herbizideinsätze in Wintergetreide weitgehend abgeschlossen
In der Regel können die Herbstbehandlungen in Wintergetreide meist als abgeschlossen gelten.
Lediglich Nachbehandlungen mit z.B. 0,9 l/ha Axial in Gerste oder Dinkel bzw. 1,2 l/ha Traxos (in Weizen, Triticale, Roggen) können ab dem 2- bis 3-Blattstadium des Fuchsschwanzes auch noch relativ kurz vor Vegetationsende erfolgen.
Dagegen sollte nach der Anwendung der bekannten Bodenherbizide noch ca. 10-14 Tage Wachstum herrschen und auch keine stärkere Nachtfrostphase kommen. Deshalb sollten die Behandlungen nun abgeschlossen sein, da in dieser Woche deutlichere Nachtfröste angekündigt sind und das Risiko mangelnder Verträglichkeit steigt. Bestände, die geschwächt in den Winter gehen, sind zu vermeiden.

Hinweise der LfL zur Herbizidbehandlung in Wintergetreide Externer Link

Wichtige neue rechtliche Änderungen bei Glyphosat
Der Einsatz Glyphosat-haltiger Mittel ist in Naturschutzgebieten, Nationalparken, gesetzlich geschützten Biotopen u.a., Wasserschutzgebieten und Heilquellenschutzgebieten und zur Spätanwendung vor der Ernte seit 08.09.2021 grundsätzlich verboten.
Außerhalb der genannten Schutzgebiete dürfen Glyphosat-haltige Mittel auf Ackerland nur noch in einem der folgenden Fälle eingesetzt werden:
- bei Mulch- und Direktsaaten
- gegen Wurzelunkräuter wie Quecke, Ampfer, Winde, Landwasserknöterich und Ackerkratzdisteln auf den betroffenen Teilflächen sowie
- auf Schlägen, die nach CC in eine Erosionsgefährdungsklasse eingestuft sind
Eine Anwendung ist grundsätzlich nur zulässig, wenn im Einzelfall vorbeugende Maßnahmen (geeignete Fruchtfolge, geeigneter Aussaatzeitpunkt, mechanische Maßnahmen, Pflugfurche) nicht durchgeführt werden können und andere technische Maßnahmen nicht geeignet oder nicht zumutbar sind.
Weitere ausführliche Hinweise der LfL Freising zu Glyphosat sind nachfolgend zu finden.

Anwendungsbeschränkungen für den Einsatz von Glyphosat Externer Link

Wichtige neue rechtliche Änderungen in für den Naturschutz bedeutenden Gebieten und an Gewässern
In Naturschutzgebieten, Nationalparken, Nationalen Naturmonumenten, Naturdenkmälern und gesetzlich geschützten Biotopen gemäß § 30 des Bundesnaturschutzgesetzes, ausgenommen Trockenmauern im Weinbau, ist die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln nun teilweise verboten oder stark eingeschränkt. Vom diesem Verbot betroffen sind z. B. Zinkphosphid und Glyphosat, die Anwendung von Herbiziden sowie die Anwendung aller Insektizide, die mit den Bienenschutzauflagen B1, B2 oder B3 belegt oder die mit der Auflage NN410 als bestäubergefährlich eingestuft sind. Die Bienenschutzauflagen sind als NB-Anwendungsbestimmungen, z. B. als NB6611 oder NB6621 oder NB663 codiert.
Diese Verbote und Einschränkungen gelten auch in den FFH-Gebieten (Flora-Fauna-Habitat). Davon ausgenommen sind Flächen zum Gartenbau, Obst- und Weinbau, Anbau von Hopfen und sonstigen Sonderkulturen, zur Vermehrung von Saatgut und Pflanzgut sowie Ackerflächen, die nicht als Naturschutzgebiet, Nationalpark, Nationales Naturmonument oder Naturdenkmal ausgewiesen sind.
Außerdem dürfen alle Pflanzenschutzmittel entlang von Gewässern, ausgenommen kleine Gewässer mit wasserwirtschaftlich untergeordneter Bedeutung, innerhalb eines Abstandes von 10 Metern zum Gewässer nicht mehr eingesetzt werden. Der Abstand verringert sich auf 5 Meter, wenn auf dem 5-Meterstreifen eine ganzjährig geschlossen begrünte Pflanzendecke vorhanden ist. In der Regel ist dies über den 5-Meter-Randstreifen nach Volksbegehren bereits erfüllt.
Weitere ausführliche Hinweise der LfL Freising sind nachfolgend zu finden.

Verboten: Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in für den Naturschutz bedeutenden Gebieten und an Gewässern Externer Link

Aufbrauchfristen beachten

Mittlerweile wurde auch für Mittel mit dem Wirkstoff Cyproconazol (z.B. Mercury Pro, Minister, Sphere u.a.) die Zulassung widerrufen, diese Mittel können noch in der Saison 2022 aufgebraucht werden. Kontrollieren Sie daher ihr Lager auf Restbestände.

Mittel zur Spritzanwendung mit dem Wirkstoff Prochloraz (Ampera, Eleando, Kantik, Mirage 45 EC) dürfen aufgrund einer Absenkung der Rückstandshöchstmenge in Gerste nicht mehr eingesetzt werden, die übrigen Zulassungen in weiteren Kulturen bleiben dagegen bestehen. Weiteres ist der BVL-Fachmeldung zu entnehmen.

Erdflöhe in der Gelbschale
Erdflöhe und Kohltriebrüssler: Zuflug war regional sehr unterschiedlich
Ziel muss sein, im Herbst möglichst mit einer Behandlung auszukommen, um die Wirksamkeit der Mittel zu erhalten.
Erdflöhe und Kohltriebrüssler sind unterschiedlich stark zugeflogen. Die untere Schwelle von 50 Erdflöhen wurde nur an 5 Standorten und die obere Schwelle von 100 Käfern nur in einer Gelbschale von insgesamt 24 erreicht. Der Schwarze Kohltriebrüssler liegt an 3 Standorten mit zweistelligen Werten über der vorläufigen Behandlungsschwelle vom 10 Käfern in 3 Wochen.
Nur eigene Gelbschalen ermöglichten eine zuverlässige Aussage vor Ort. Das zeigt dieser Herbst wieder deutlich. Notwendige Behandlungen sind jetzt abgeschlossen.

Warndienst Erdfloh in Winterraps

Hinweise zum Herbizideinsatz in Raps
Unkräuter und Ausfallgetreide dürften meist behandelt sein. Ist der Einsatz von Kerb, Milestone o.a. gegen Fuchsschwanz geplant, sollten die Temperaturen nicht mehr wesentlich über 10°C steigen und Niederschläge bevorstehen. Behandlungen können damit vor den nächsten Niederschlägen erfolgen.

Informationen der LfL zum Pflanzenschutz in Raps

Hinweise zum Mais

Falter des Maiszünslers
Maiszünslerbefall meist auf niedrigem Niveau
Die wirksamste Bekämpfung des Zünslers geschieht ackerbaulich durch ein möglichst intensives Mulchen/Schlegeln/Quetschen der Stängel. Die Bearbeitungsqualität ist bei trockenen Verhältnissen besser als bei feuchten. Ziel muss sein, dass auf der Bodenoberfläche keine intakten Stängelreste verbleiben, in denen sich der Zünsler verpuppen kann. Wenn möglich, sollte daher anschließend untergepflügt oder tief eingemischt werden.
Verbleibt intaktes Stoppelmaterial an der Oberfläche, ist eine Behandlung im nächsten Jahr sinnvoll, wenn im Herbst zur Ernte jede dritte bis zweite Pflanze befallen war.
Hinweise zum Einsatz der Trichogramma bei Förderung nach AUM

Die nach AUM erforderliche Aufwandmenge umfasst 200.000-220.000 Nützlinge pro ha. Diese Zahl kann entweder durch 50 Trichogramma-Rähmchen/ha oder 100 Kugeln/Kapseln pro ha erreicht werden, wenn diese entsprechend hoch beladen sind. Zu beachten ist aber, dass die Hersteller unterschiedliche Aufwandmengen und Belegungen mit Nützlingen anbieten, um auf diese Zahlen zu kommen. Wir empfehlen aus langjähriger Erfahrung bei moderatem Befall eine zweimalige Ausbringung mit jeweils mindestens 110.000 Nützlingen pro ha und Ausbringung, in Regionen mit höherem Befall sollten mindestens 330.000 Nützlinge/ha (220.000 zur ersten und mindestens 110.000 zur zweiten Ausbringung) ausgebracht werden. So bietet beispielsweise der Maschinenring Ansbach diese zweimalige Ausbringung mit insgesamt 330.000 Nützlingen pro Hektar an. Auch bei der einmaligen Befliegung besteht die Wahlmöglichkeit zwischen 220.000 Nützlingen pro Hektar (100 Kugeln/ha) und 400.000 Nützlingen pro Hektar (125 Forte-Kugeln/ha). Außerdem werden neben den Kugeln auch Kärtchen für die Handausbringung angeboten, bei denen die höheren Ausbringmengen an Nützlingen realisiert werden. Eine rechtzeitige Vorbestellung bei den Anbietern (Maschinenring, Landhandel, Dienstleister) ist notwendig. Erkundigen Sie sich dort über das Angebot und die Preise. Bis zum 15.11. muss dann jährlich eine Kopie der Rechnungsbelege für die Trichogramma am AELF eingereicht werden, um zu belegen, dass alle Maisflächen mit der Mindestmenge behandelt wurden.
Die Wirkungsgrade der Trichogramma schwanken in unseren Versuchen meist zwischen 50 und 80%. Diese schwankenden Wirkungsgrade dürfen auf keinen Fall dazu verleiten, bei der Bearbeitung der Maisstoppeln und der nachfolgenden Bodenbearbeitung zu sparen. Die Trichogramma-Ausbringung ist nur als Ergänzung zu einer guten mechanischen Bekämpfung zu sehen und nicht als deren Ersatz. Verbleiben in der Flur zu viele befallene Maisstoppeln an der Bodenoberfläche, sind die Trichogramma überfordert und das Verfahren ist zum Scheitern verurteilt.

Neue Anwendungsbestimmungen für Terbuthylazin-haltige Pflanzenschutzmittel

Für alle derzeit zugelassenen Terbuthylazin-haltigen Pflanzenschutzmittel wird bis spätestens 14. Dezember 2021 die Anwendungsbestimmung NG362 zur Eingrenzung der maximalen Aufwandmenge von Terbuthylazin in einem Dreijahreszeitraum auf Mittelebene erteilt werden. Die Anwendungsbestimmung NG362 hat folgenden Wortlaut:
"Mit diesem und anderen Terbuthylazin-haltigen Pflanzenschutzmitteln darf innerhalb eines Dreijahreszeitraumes auf derselben Fläche nur eine Behandlung mit maximal 850 g Terbuthylazin pro Hektar durchgeführt werden."
Dies wird in engen Maisfruchtfolgen zu deutlichen Einschränkungen führen, die Herbizidstrategie ist an diese neue Vorgabe anzupassen. Es ist zu beachten, dass dabei auch zurückliegende Zeiträume zu berücksichtigen sind. Der Dreijahreszeitraum beginnt somit nicht erst mit dem Wirksamwerden der neu erteilten Anwendungsbestimmung. Der Anwender muss prüfen, ob in vorherigen Jahren bereits ein Mittel mit dem Wirkstoff Terbuthylazin angewendet wurde. Falls dies der Fall ist, ist die Anwendung im aktuellen Jahr unzulässig.
Wer maximal nur alle drei Jahre Mais auf derselben Fläche baut, hat durch diese Auflage keine Einschränkungen.
Den genauen Wortlaut der BVL-Fachmeldung hierzu finden Sie nachfolgend.

Warndienst beendet

In unseren Monitoringflächen konnte die Krautfäule mit 7-8 Behandlungen gut kontrolliert werden. Faule Knollen in nassen Bereichen sind in der Regel durch die Erwinia-Erreger verursacht und nicht bekämpfbar. Regelmäßige Kontrollen des Lagers sind in diesem Jahr besonders anzuraten.
Warndienst Blattläuse

Die aktuellen Zahlen finden Sie nachfolgend.

Blattlauszuflug in Kartoffelbeständen mittels Gelbschalen

Das Ende bekannter Mittel ist beschlossen

Die Europäische Kommission hat entschieden, die Genehmigungen für Mancozeb als Wirkstoff in vielen Kartoffelfungiziden nicht zu erneuern. Die Mittel müssen in dieser Saison 2021 aufgebraucht werden.
Biscaya darf dagegen nicht mehr eingesetzt werden, da die Aufbrauchfrist abgelaufen ist.

Warndienst Blattkrankheiten

Der Warndienst ist beendet.
Auch in unserer Region war deutlicher, teils massiver Befall mit Cercospora festzustellen.

Warndienst Blattkrankheiten LfL Externer Link

Wenig Blattläuse - SBR nimmt im Westen zu

SBR-Symptome im RübenkörperZoombild vorhanden

SBR-Symptome im Rübenkörper

Der Zuflug an Blattläusen war in diesem Jahr insgesamt verhalten und somit spielten auch die Vergilbungsviren nur eine untergeordnete Rolle.
Die durch eine bestimmte Zikadenart übertragene Krankheit SBR ist erstmals 2019 im Grenzgebiet zu Baden-Württemberg schon sichtbar angekommen. Weder die Zikaden noch die Krankheit selbst können derzeit bekämpft werden. In 2020 waren im westlichen Dienstgebiet bereits zahlreiche Flächen befallen. Auch 2021 konnten im westlichen Bereich in nahezu allen untersuchten Proben SBR nachgewiesen werden. Ob sich das schon in niedrigeren Zuckergehalten auswirken wird, muss abgewartet werden.

Virusbefall an Zuckerrüben – Ergebnisse aus dem bayernweiten Monitoring 2020 Externer Link

Schläge mit Cruiser-gebeiztem Saatgut weiter kontrollieren und Auflagen beachten

Das BVL hat für den Bereich der Zuckerfabrik Ochsenfurt eine Notfallzulassung für Cruiser 600 FS als Beize gegen Blattläuse erteilt. Alles weitere finden Sie in den unten aufgeführten Links und im Rohstoffportal der Zuckerfabrik.
Beachten Sie:
Landwirte, die zur Zuckerrübenaussaat mit Cruiser 600 FS gebeiztes Saatgut verwendet haben, haben sich verpflichtet bestmöglich dafür Sorge zu tragen, dass keinerlei Beikraut und andere Pflanzen auf dem betroffenen Acker bis 31.12.2022 zur Blüte gelangen! Dies gilt im Weiteren für nachgebaute Zwischenfrüchte und in Nachfolgekulturen (auch nachfolgende Brach- und Blühflächen). Die Einhaltung wird amtlicherseits durch Kontrollen überprüft.
Beseitigen Sie deshalb unbedingt alle blühenden Pflanzen bzw. deren Blütenstände auf diesen Flächen (z.B. Weißer Gänsefuß, Melden, Knöterich, Mohn, Kohl-/Disteln, Winden, Sonnenblumendurchwuchs usw.). Auch blühende Schosserrüben werden von Insekten angeflogen und sind umso gründlicher zu entfernen! Diese Maßnahme ist Teil der Risikoverminderung, umgesetzt in der Allgemeinverfügung der LfL vom 19.01.2021 zur Notfallzulassung von Thiamethoxam-behandeltem Zuckerrübensaatgut. Es kann ein Bußgeld verhängt werden.

Hinweise zu Leguminosen

Der Warndienst ist beendet. Die Abreife bei Sojabohnen zog sich in die Länge.
Informationen für Neueinsteiger
Im Rahmen des bundesweiten Projektes Demonstrationsnetzwerk Erbse/Bohne (DemoNetErBo) haben Neueinsteiger die Möglichkeit, sich in einen E-Mail-Verteiler aufnehmen zu lassen.
Weitere Informationen dazu finden Sie im nachfolgenden Link.

Eiweiß - Bayerische Eiweißinitiative

Hinweise des BVL zum Zulassungsstand in Leguminosen

Ampferbekämpfung nicht mehr sinnvoll

Ampfer
Stumpfblättriger Ampfer lässt sich im Spätsommer am nachhaltigsten bekämpfen. Das Rosettenstadium ist hierfür optimal und sollte nicht überschritten sein. Späte Behandlungen zum jetzigen Termin sind mit nun bald zu Ende gehendem Wachstum aber nicht mehr sinnvoll.
Beachten Sie, dass ab 1.Januar 2022 nach Art. 3 Bayerisches Naturschutzgesetz auf Dauergrünlandflächen der flächenhafte Einsatz von Pflanzenschutzmitteln verboten ist. Eine Einzelpflanzenbekämpfung bleibt weiterhin erlaubt.
Aktive Mauslöcher sollten sofort mit Giftweizen/Giftlinsen belegt werden (3-5 Körner/Linsen pro Loch verdeckt mit Legeflinte ausbringen). Auch das Aufstellen von Sitzstangen (1 bis max. 2 Stück pro ha) ist anzuraten.
Beachten Sie, die neuen Auflagen von Giftweizen bzw. Giftlinsen zum Einsatz in Vogelschutz- und FFH-Gebieten. Einsätze in Naturschutzgebieten sind generell verboten.

Wichtige rechtliche Änderungen bei Glyphosat und Gewässerabständen auch auf Grünland

Beachten Sie auch die neuen Vorgaben der Pflanzenschutzmittel-Anwendungs-Verordnung.
Der Einsatz Glyphosat-haltiger Mittel ist in Naturschutzgebieten, Nationalparken, gesetzlich geschützten Biotopen u.a., Wasserschutzgebieten und Heilquellenschutzgebieten seit 08.09.2021 grundsätzlich verboten.
Außerhalb der genannten Schutzgebiete dürfen Glyphosat-haltige Mittel auf Grünland flächig nur noch eingesetzt werden 1. zur Erneuerung des Grünlandes bei einer Verunkrautung, bei der auf Grund ihres Ausmaßes ohne die Anwendung die wirtschaftliche Nutzung des Grünlandes oder die Futtergewinnung wegen eines Risikos für die Tiergesundheit nicht möglich ist, oder
2. zur Vorbereitung einer Neueinsaat auf Flächen, die in eine Erosionsgefährdungsklasse nach § 6 Absatz 2 bis 4 der Agrarzahlungen-Verpflichtungenverordnung zugeordnet sind oder auf denen eine wendende Bodenbearbeitung auf Grund anderer Vorschriften nicht erlaubt ist.
Beachten Sie hierbei, dass ohnehin nur noch in diesem Jahr die Möglichkeit besteht, eine flächige chemische Unkrautbekämpfung durchzuführen. Ab 1.Januar 2022 ist nach Art. 3 Bayerisches Naturschutzgesetz auf Dauergrünlandflächen der flächenhafte Einsatz von Pflanzenschutzmitteln grundsätzlich verboten.
Außerdem ist nun auf Grünland bei allen Pflanzenschutzmitteleinsätzen (auch bei der Einzelpflanzenbehandlung) ein Abstand von 5 Metern zu Gewässern einzuhalten. Ausgenommen sind nur kleine Gewässer mit wasserwirtschaftlich untergeordneter Bedeutung.
Zudem sind förderrechtliche Einschränkungen zu beachten.

Rechtsvorschriften im Pflanzenschutz

Rechtsvorschriften im Pflanzenschutz

Bei den Auflagen den Durchblick behalten
Beachten sie neben den normalen Abstandsauflagen, die meist mit entsprechenden Düsen gelöst werden können, auch die Hangneigungsauflagen (z.B. NW 701, 705, 706 u.a.): Diese erfordern entlang von dauernd oder periodisch wasserführenden Gewässern bei Schlägen mit einer Hangneigung von über 2% einen unbehandelten, geschlossen bewachsenen Randstreifen, der je nach Auflage zwischen 5 und 20 m breit sein muss. Der Randstreifen ist nicht erforderlich, wenn die Bestellung im Mulchsaat- oder Direktsaatverfahren erfolgt. Allerdings muss bei der Mulchsaat zum Zeitpunkt der Behandlung die Mulchauflage mindestens einen Bodenbedeckungsgrad von 30% aufweisen, um anerkannt zu werden.
Bei den Hangneigungsauflagen spielt die Düse keine Rolle, sie dürfen daher nicht mit den Abdriftauflagen (NW600 bis NW609) verwechselt werden.

Abstandsauflagen sind ein Schwerpunkt im Kontrollplan Pflanzenschutz. Eine Übersicht zu den Abstandsauflagen finden Sie im Merkblatt Pflanzenschutz.
Die Abstandsauflagen sind unabhängig vom jetzt eventuell vorgeschriebenen Gewässerrandstreifen nach dem Volksbegehren "Rettet die Bienen" einzuhalten. Der Gewässerrandstreifen kann allerdings auf die notwendigen Abstandsflächen je nach Pflanzenschutzmittelauflage angerechnet werden, wenn er die entsprechenden Vorgaben erfüllt.

Pflanzenschutz-Merkblatt Externer Link

Das BVL hat in einer Bekanntmachung festgelegt, dass zu Flächen, auf denen sich regelmäßig Personen aufhalten (also z.B. Wohngebiete, Privatgärten, Freizeitflächen usw.), zu deren Schutz eine grundsätzlicher Abstand von 2 m bei Flächenspritzung und von 5 m bei Raumkulturen einzuhalten ist. Mehr dazu im untenstehenden Link der LfL.
Außerdem ist darauf zu achten, dass der angrenzende Feldrand grundsätzlich nicht getroffen wird. Die äußere Düse muss also einen solchen Abstand zum Feldrand haben, dass dieser durch den Spritzkegel nicht getroffen wird. Kann dies durch die Fahrgassenanlage nicht gewährleistet werden, ist eine entsprechende Randdüse für die erste Fahrgasse im Randbereich zu verwenden.

Mindestabstände bei der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln - LfL Externer Link

Viele Düsen mit 90% Abdriftminderung anerkannt
Nachfolgend finden sie alle anerkannten abdriftmindernden Düsen bzw. die Universal-Düsentabelle.

Verzeichnis Verlustmindernde Düsen und Geräte und Düsentabelle - LfL Externer Link

Achtung: Wichtige Regelungen zum Anwenderschutz, Spritzen-TÜV, den Aufbrauchfristen, Dokumentation, Entsorgung

Auflagen zum Schutz des Anwenders sind Bestandteil der Zulassung und der Gebrauchsanleitung. Das Nichtbeachten dieser Bestimmungen kann die Zulassung von Mitteln gefährden. Beherzigen Sie daher die Auflagen zum Anwenderschutz. Eine ausführliche Information finden Sie beispielsweise im Versuchsberichtsheft "Intergrierter Pflanzenbau" und in der nachfolgenden Richtlinie des BVL.

Persönliche Schutzausrüstung beim Umgang mit Pflanzenschutzmitteln - Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit Externer Link

Im Juli 2013 ist die neue Pflanzenschutz- Geräteverordnung in Kraft getreten. Demnach müssen künftig Verfügungsberechtigte und Besitzer ihre in Gebrauch befindlichen Pflanzenschutzgeräte in Zeitabständen von sechs Kalenderhalbjahren (bisher vier Kalenderhalbjahre) prüfen lassen, also zukünftig alle drei Jahre statt wie bisher alle zwei Jahre. Mittlerweile sind die Übergangsvorschriften ausgelaufen, so dass sich der aktuelle Prüftermin immer anhand der Plakette ablesen lässt.

Hinweise der LfL zur Gerätetechnik Externer Link

Nutzen Sie die kommende Zeit, um ihre Dokumentation der Pflanzenschutzmaßnahmen zu vervollständigen und ihr Lager auf abgelaufene, nicht mehr einsetzbare Mittel zu überprüfen, um diese ordnungsgemäß zu beseitigen.

Bei der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln sind bis 14.06.2011 der Name des Anwenders, die behandelte Kultur, der Schadorganismus, die Anwendungsfläche, das Pflanzenschutzmittel, die Aufwandmenge und das Anwendungsdatum aufzuzeichnen. Danach entfällt der Schadorganismus, die übrigen Punkte bleiben.

Dokumentation von Pflanzenschutzmittelanwendungen Externer Link

Für alle Pflanzenschutzmittel, deren Zulassung nach dem 14. Juni 2011 regulär endet und für die kein Anwendungsverbot ausgesprochen wird, gilt folgendes: Nach Ende der Zulassung besteht eine Abverkaufsfrist von 6 Monaten für den Handel. Dies ist neu, da bisher nicht mehr zugelassene Mittel auch nicht mehr verkauft werden durften. Der Anwender hat nach Ende der Zulassung eine Aufbrauchfrist von maximal 18 Monaten. Beispiel: Bei Mittel XY endete die Zulassung am 31.12.2011, der Handel darf noch bis zum 30.06.2012 abverkaufen, der Anwender noch bis 30.06.2013 ausbringen. Mehr dazu im nachfolgenden Link.

Kürzere Aufbrauchfristen für Pflanzenschutzmittel - LfL Externer Link

Produkte, deren Aufbrauchfrist abgelaufen ist, dürfen nicht mehr eingesetzt werden.

Im neuen Pflanzenschutzgesetz vom 14.02.2012 wurde eine Beseitigungspflicht (§15) für bestimmte, nicht mehr einsetzbare Pflanzenschutzmittel eingeführt. Die Vorschrift ist CC-relevant. Sie sind auf der sicheren Seite, wenn Sie am besten alle Pflanzenschutzmittel, die keine Zulassung und keine Aufbrauchfrist mehr haben, ordnungsgemäß beseitigen, auch wenn nicht jedes dieser Mittel von der Beseitigungspflicht betroffen sein wird. Kontrollieren Sie daher in der noch ruhigeren Zeit ihr Lager und entsorgen Sie die Mittel, die nicht mehr angewandt werden dürfen, über Wertstoffhöfe oder Fachfirmen. Auch manche Landhandelsfirma bietet in unregelmäßigen Abständen Sonderaktionen hierzu an.

Aktueller Hinweis zur Mäusebekämpfung

Mäuselöcher im Grünland

Mäuselöcher im Grünland

Die trockenen Jahre 2019 und 2020 haben regional zu einem starken Anstieg bei der Mäusepopulation geführt. Nur ein nasser Herbst und Winter kann die Population wieder effektiv reduzieren. Ansonsten kann bei beginnendem Befallsaufbau die Belegung der Mäuselöcher mit Giftweizen/Giftlinsen (3-5 Körner/Linsen pro Loch verdeckt mit Legeflinte ausbringen) einen wirksamen Beitrag leisten. Dies ist derzeit die einzige, regulär zugelassene chemische Bekämpfungsmöglichkeit. Es wird nochmals darauf hingewiesen, dass eine breitwürfige Ausbringung von Giftweizen bzw. -linsen verboten ist und zu Schäden bei Vögeln und anderen Tieren führen kann.
Nutzen Sie aber auch indirekte Maßnahmen wie das Aufstellen von Sitzstangen für Greifvögel (1 bis 2 Sitzstangen pro ha sind ausreichend).
Beachten Sie, die neuen Auflagen von Giftweizen bzw. Giftlinsen zum Einsatz in Vogelschutz- und FFH-Gebieten. Einsätze in Naturschutzgebieten sind generell verboten.

BVL konkretisiert Anwendungsbestimmungen für fünf Rodentizidprodukte Externer Link

Notfallzulassung derzeit nur für Köderlegemaschine erteilt!

Derzeit wird in verschiedenen Medien von einer Notfallzulassung bei Ratron Giftweizen berichtet. Zur Klarstellung wird auf folgendes hingewiesen: Mit der Notfallzulassung erfolgt nur eine Modifizierung der bei der Zulassung festgelegten Anwendungstechnik. Hierbei ist zusätzlich zur bisher zugelassenen Ausbringung des Mittels Ratron Giftweizen mit der Legeflinte (NT664) auch eine verdeckte Ausbringung mittels Köderlegemaschine (z.B. WUMAKI) möglich, sofern der mit der Köderlegemaschine gezogene Gang nach oben geschlossen ist. Die Erweiterung gilt für das Pflanzenschutzmittel Ratron Giftweizen mit dem Wirkstoff Zinkphosphid vom 9. September 2020 bis 6. Januar 2021. Alle übrigen Anwendungsbestimmungen zum Schutz des Naturhaushalts bleiben unverändert (z.B. Verbot in Naturschutzgebieten, Verbot auf Flächen mit Feldhamstervorkommen, u.a.).

Notfallzulassung für das Pflanzenschutzmittel Ratron Giftweizen gegen Feld- und Erdmäuse Externer Link