Sortenempfehlungen Wintertriticale und Winterroggen Herbst 2022

Versuchsernte

Kulturen passen auf viele Standorte

Viele überwiegend leichte Standorte im fränkischen Trockengebiet sind für Wintertriticale oder -roggen wesentlich besser geeignet als für Winterweizen. Während der Triticale fast ausschließlich als Kraftfutter in der tierischen Veredelung dient, kann Roggen sowohl als Brot-, zunehmend aber auch als Futtergetreide in der Schweinemast verwendet werden.
In Mittelfranken stehen zwei Landessortenversuche zum Wintertriticale, nämlich in Großbreitenbronn und in Bieswang, sowie ein Landessortenversuch zum Winterroggen in Großbreitenbronn.

Wintertriticale:

Der Versuch am Standort Großbreitenbronn (leichte bis mittlere Keuperlage, Nähe Triesdorf) wurde am 8.10.2021 pfluglos in ein feines, sandiges und feuchtes Saatbett gesät und lief binnen 14 Tagen gleichmäßig auf. Vorfrucht war Wintertriticale. Die Herbstentwicklung war infolge der kühlen Temperaturen verhalten. Der Bestand überstand den Winter schadlos und bestockte im kühlen Frühjahr nur schwach, so dass die Bestandesdichte nur unterdurchschnittlich war. Wenngleich schon frühzeitig ganz vereinzelt Gelbrost und etwas später auch Rhynchosporium zu finden war, erlangten beide Krankheiten bis zuletzt die Bekämpfungsschwellen nicht. Die in Stufe 2 jeweils einmalig durchgeführte Wachstumsregler- und Fungizidbehandlung stellten daher nur Vorsichtsmaßnahmen dar. Trockenheit und hohe Temperaturen in den Monaten Juni und Juli ließen den Bestand rasch und gleichmäßig abreifen, wobei ein lokaler Niederschlag Ende Juni noch ertragswirksam war.

Am 22.7.2022 konnte der Versuch gedroschen werden und erbrachte in der unbehandelten Stufe 1 einen Durchschnittsertrag von nur 75,6 dt/ha. Die jeweils einmal mit Wachstumsreglern und Fungiziden behandelte Stufe 2 erzielte bloß einen mäßigen Mehrertrag und brachte es auf 79,2 dt/ha, was nicht für die Deckung der Mehrkosten genügte und einen Mindererlös von 26 €/ha bedeutet. Allerdings sei angemerkt, dass der Ertragsunterschied zwischen Stufe 1 und Stufe 2 nicht statistisch absicherbar ist, was zeigt, dass durch große Trockenheit Bodenunterschiede innerhalb der Versuchsfläche stärker zu Tage traten. Dennoch ist das Ergebnis ein Hinweis darauf, dass in derart trockenen Jahren – regelmäßige Befallskontrollen vorausgesetzt – beim Pflanzenschutz ein deutliches Einsparpotenzial besteht. Das langjährige Ertragsmittel dieses Standortes wurde um 12 dt/ha unterschritten.

In Bieswang (auf dem Jura, Lkrs. Weißenburg-Gunzenhausen) erfolgte die Saat am 8.10.2021 in ein gepflügtes Saatbett nach Vorfrucht Winterraps. Der Bestand lief Ende Oktober gleichmäßig auf und überstand den frostarmen Winter sehr gut. Die Bestockung war gut und die Bestandesdichte entsprechend optimal. Blattkrankheiten spielten keine große Rolle. Auch der Lagerdruck war moderat, so dass nach der reduzierten Vorlage eines Wachstumsreglers sowohl in der extensiv zu führenden Stufe 1 als auch in der praxisüblichen Stufe 2 keine Nachlage mehr nötig war. Die einmalige Fungizidbehandlung in Stufe 2 erfolgte im Grannenspitzen.

Am 23.7.2022 wurde der Triticale geerntet. Mit hervorragenden 105,0 dt/ha in der Stufe 1 und 109,3 dt/ha in der zusätzlich mit einem Fungizid behandelten Stufe 2 erzielte der Standort das zweitbeste Ergebnis aller sieben bayerischen Versuchsstandorte. Vor dem Hintergrund einer wegen der Lage der Versuchsfläche in einem „Roten Gebiet“ um 20 % reduzierten Stickstoffdüngung ist dieses Ergebnis umso respektabler. Der erhöhte Aufwand in Stufe 2 führte zu einem Mindererlös von 17 €/ha.

Folgende Sorten werden zum Anbau in Mittelfranken empfohlen:

Lombardo (Lantmännen/Syngenta)

Die langjährig empfohlene Sorte liegt sowohl im Anbaugebiet „Fränkische Platten“ (AG 21) als auch im Anbaugebiet „Jura/Hügelland“ (AG 23) ertraglich mehrjährig an der Spitze des Sortiments. Lombardo ist sehr winterhart und gut durchschnittlich standfest. Die Blattgesundheit ist gut, mit Ausnahme von Braunrost. Größtes Manko ist die nur durchschnittlich eingestufte Fusarium-Resistenz, so dass nach Mais eine Pflugfurche und gegebenenfalls eine gezielte Fusarium-Spritzung in der Blüte zu empfehlen sind. Der Züchter empfiehlt die Aufteilung der N-Düngung auf nur zwei Gaben und die Betonung der ersten Gabe.

Cedrico (Lantmännen/Syngenta)

Die am Standort Großbreitenbronn aufgetretene große negative Ertragsdifferenz zwischen der extensiven Stufe 1 und der intensiv geführten Stufe 2 ist vor dem Hintergrund der oben genannten Bodenunterschiede innerhalb der Versuchsfläche zu verstehen. Im vorigen Jahr schnitt die standfeste Sorte dort – ebenso wie auch heuer wieder am Standort Bieswang – sehr gut ab. Cedrico zeichnet sich durch sein breites Resistenzspektrum, inklusive Fusarium, aus. Einzige Schwachstelle ist die nur unterdurchschnittliche Resistenz gegen Mehltau, der in der Bestandesführung intensiv zu überwachen ist. Cedrico eignet sich von allen empfohlenen Sorten am ehesten zum pfluglosen Anbau nach Mais. Genauso wie bei Lombardo sollte auf eine N-Spätgabe verzichtet und die gesamte N-Menge auf zwei Gaben aufgeteilt werden, wobei die erste Gabe zu betonen ist.

Randam (Breun/Limagrain)

Ramdam brachte heuer im Anbaugebiet „Fränkische Platten“ (AG 21), nach nur unterdurchschnittlichen Erträgen im Vorjahr, wieder gute Ergebnisse. Ein- und mehrjährig schneidet er in beiden Anbaugebieten durchschnittlich ab. Die Sorte ist im Wuchs deutlich länger als die anderen empfohlenen Sorten, bei allerdings nur durchschnittlicher Standfestigkeit. Sie ist damit nicht nur zur Körner-, sondern auch zur Ganzpflanzensilage-Nutzung geeignet, gilt also als „Zweinutzungssorte“. Ihre Blattgesundheit ist durchwegs gut, bei Braunrost sogar sehr gut. Allerdings ist Ramdam gegen Fusarium nur durchschnittlich resistent.

Rivolt (Intersaatzucht/Secobra)

Nach guten bis sehr guten Kornerträgen an den Versuchsstandorten Großbreitenbronn und Bieswang im feucht-kühlen Vorjahr fiel Rivolt im heurigen trocken-heißen Jahr deutlich ab. Für den Standort Großbreitenbronn gilt hier allerdings der bei Cedrico gegebene Hinweis auf die Bodenunterschiede analog. Mehrjährig liegt Rivolt immer noch über dem Durchschnitt des Sortiments, weshalb er sowohl im Anbaugebiet „Fränkische Platten“ (AG 21) als auch im Anbaugebiet „Jura/Hügelland“ (AG 23) heuer erstmals empfohlen wird. Die nur durchschnittliche Standfestigkeit muss bei der Bestandesführung beachtet werden. Rivolt ist sehr blattgesund, insbesondere bei Mehltau und Braunrost, zeigt aber bei Gelbrost im Vergleich zu den anderen empfohlenen Sorten leichte Schwächen. Hervorzuheben ist seine unterdurchschnittliche Anfälligkeit für Fusarium. Der Züchter empfiehlt Saatstärken von 280-350 Körnern/m² für normale und von 350-400 Körnern/m² für späte Saattermine.

Sortenspezifische Anbauhinweise (z. B. zur Saatstärke) zu den schon länger empfohlenen Wintertriticale-Sorten stehen im aktuellen Versuchsberichtsheft "Integrierter Pflanzenbau" ("Grünes Heft") auf Seite 50.

Weitere Informationen zu den empfohlenen Wintertriticale-Sorten 2022 pdf 27 KB

Die ausführlichen Versuchsergebnisse aus den Landessortenversuchen, die Sortenbeschreibung sowie weitere Informationen finden Sie bei der LfL:

Wintertriticale - LfL Externer Link

Zur gezielten Nutzung als Ganzpflanzensilage (GPS) werden die Sorten Tender PZO und Trimasso empfohlen.

Winterroggen:

Der Versuch stand in Großbreitenbronn auf dem gleichen Schlag wie der LSV Wintertriticale, wurde am selben Tag gesät und durchlief die gleiche Herbstentwicklung. Auch der Roggen bestockte zunächst nur verhalten; anders als dem Triticale gelang es ihm jedoch, die nach einsetzenden Niederschlägen im April noch gebildeten Seitentriebe zu erhalten, so dass insgesamt eine durchschnittliche Bestandesdichte vorlag. Dennoch entstand auch in der extensiv geführten Stufe 1 kein Lager. Und auch die vorhandenen Blattkrankheiten, vor allem der Braunrost, konnten sich nicht im oftmals üblichen Umfang ausbreiten. Ein Ende Juni lokal aufgetretener Niederschlag wirkte sich noch positiv auf die Ertragsbildung aus, vermochte die durch die vorangegangene Hitze längst eingeleitete Abreife jedoch nicht mehr abzustoppen.

Die Ernte erfolgte zeitgleich mit dem Triticale am 22.7.2022. Mit durchschnittlich 77,6 dt/ha in Stufe 1 und immerhin 84,1 dt/ha in der jeweils einmalig mit Wachstumsreglern und Fungiziden behandelten Stufe 2 wurde ein für das heurige Jahr guter Ertrag erzielt, der jedoch den langjährigen Mittelwert dieses Standortes um 9 dt/ha verfehlte. Der Mehrertrag und auch der daraus resultierende Mehrerlös von immerhin 13 €/ha in Stufe 2 bestätigen die langjährige Erkenntnis der Sinnhaftigkeit einer einmaligen Fungizidanwendung im Roggen.

Folgende Sorten werden zum Anbau in Mittelfranken empfohlen:

KWS Serafino (KWS Lochow)

Die Hybridsorte wird aufgrund ihres mehrjährig hohen Ertragsniveaus empfohlen, wenngleich sie im vorigen Jahr am Standort Großbreitenbronn aus unerklärlichen Gründen enttäuschte. Erfreulich ist die gute Blattgesundheit bei Rhynchosporium und Braunrost. Bei der Anfälligkeit für Mutterkorn verfügt KWS Serafino über die beste Einstufung unter den empfohlenen Sorten. Die Standfestigkeit ist durchschnittlich und die Fallzahl sehr hoch. Der Züchter empfiehlt die Aufteilung der N-Düngung auf nur zwei Gaben und den Verzicht auf eine Spätdüngung.

Piano (KWS Lochow/Saaten-Union)

Die Sorte erzielte auch heuer wieder ein gut durchschnittliches Ergebnis. Überregional und auch mehrjährig liegt sie über dem Durchschnitt des Sortiments, belegt jedoch unter den empfohlenen Hybridsorten den letzten Platz. Positiv ist die leicht überdurchschnittliche Einstufung beim Befall mit Mutterkorn. Dem Z-Saatgut für den Praxisanbau wird – anders als beim Versuchssaatgut – durch die Saaten-Union ein Anteil von 10 % Populationssaatgut zugemischt, wodurch die Bestäubung verbessert und der Mutterkornanteil weiter gesenkt werden soll. Ob die Beimischung von ertragsschwächerem Populationsroggen negative Auswirkungen auf den Ertrag hat, wurde in den Landessortenversuchen nicht untersucht. Piano ist gut standfest bei kürzerem Wuchs, liefert gute Fallzahlen und ist durchschnittlich anfällig für Rhynchosporium und Braunrost. Der Züchter empfiehlt eine Betonung der ersten N-Gabe.

KWS Tayo (KWS Lochow)

Die Hybridsorte erzielte heuer und auch mehrjährig überregional unter den empfohlenen Sorten den höchsten Kornertrag. Am Standort Großbreitenbronn konnte sie in diesem Jahr das hervorragende Ergebnis des Vorjahres nicht ganz halten. Sie ist gut durchschnittlich standfest und unterdurchschnittlich anfällig für Rhynchosporium und Braunrost. Da bei KWS Tayo die Anfälligkeit für Mutterkorn zwar genauso eingestuft ist wie bei Piano, hier jedoch keine Zumischung von Populationssaatgut erfolgt, eignet sich die Sorte vorzugsweise für den Anbau als Futterware. Der Züchter rät, auf eine N-Spätdüngung zu verzichten und den Stickstoff auf nur zwei Gaben aufzuteilen.

KWS Receptor (KWS Lochow)

Die Hybridsorte lag heuer und auch mehrjährig sowohl regional als auch überregional unter den empfohlenen Sorten ertraglich mit an der Spitze, weshalb heuer für ganz Bayern erstmals eine Anbauempfehlung ausgesprochen wurde. Sie ist nur durchschnittlich standfest, weist aber überdurchschnittliche Resistenzen gegenüber Rhynchosporium und Mutterkorn auf, wobei hier der bei KWS Tayo gegebene Hinweis entsprechend gilt. Stärker anfällig ist KWS Receptor für Braunrost, weshalb auf die – im Roggenanbau aber ohnehin standardmäßig empfohlene – Fungizidmaßnahme vor der Blüte nicht verzichtet werden sollte. Als Saatstärke empfiehlt der Züchter 180-240 Körner/m².

Dukato (Hybro/Saaten-Union)

Ertraglich kann Dukato als die einzige empfohlene Populationssorte nicht mehr mithalten. Er liegt auch mehrjährig um 14 % unter dem Versuchsdurchschnitt. Der Anbau von Populationssorten wird daher nur noch für sehr extensive Produktionsweisen auf extrem leichten, ertragsschwachen Sandstandorten empfohlen. Die Sorte ist trotz ihres längeren Halmes gut durchschnittlich standfest. Die Einstufung bei der Fallzahl ist nur mittel, ebenso wie die Resistenz gegen Rhynchosporium. Die Resistenz gegen Braunrost ist unterdurchschnittlich. Bei Mutterkorn weist Dukato nur eine geringe Anfälligkeit auf. Beim Anbau muss beachtet werden, dass die Fallzahl unter ungünstigen Bedingungen rasch absinken kann.

Sortenspezifische Anbauhinweise (z. B. zur Saatstärke) zu den schon länger empfohlenen Winterroggen-Sorten stehen im aktuellen Versuchsberichtsheft "Integrierter Pflanzenbau" ("Grünes Heft") auf Seite 41.

Weitere Informationen zu den empfohlenen Winterroggen-Sorten 2022 pdf 28 KB

Die ausführlichen Versuchsergebnisse aus den Landessortenversuchen, die Sortenbeschreibung sowie weitere Informationen finden Sie bei der LfL:

Winterroggen - LfL Externer Link

Zur gezielten Nutzung als Ganzpflanzensilage (GPS) werden die Sorten Helltop, KWS Progas, Stannos und Astranos empfohlen.