Sortenempfehlungen Winterraps Herbst 2022

Rapsblüte

Winterraps - ein wertvoller Bestandteil vieler Fruchtfolgen

Als reine Verkaufsfrucht nimmt in Mittelfranken der Winterraps eine wichtige Rolle ein. Er trägt nicht nur zum finanziellen Ergebnis vieler Marktfruchtbetriebe bei, sondern stellt in Getreide-betonten Fruchtfolgen häufig auch die einzige Blattfrucht dar. Der für Mittelfranken relevante Landessortenversuch zu Winterraps steht in Weiterndorf.

Standort Weiterndorf

Die Aussaat am Standort Weiterndorf (gute Keuperlage bei Heilsbronn, Landkreis Ansbach) erfolgte nach Vorfrucht Wintergerste pfluglos am 6.9.2021 nach einer Regenperiode in ein feuchtes, feinkrümeliges Saatbett, woraufhin der Bestand rasch auflief. Auf einer tonigen Teilfläche genügte die Feuchtigkeit jedoch nicht, so dass dort der Auflauf lückig war, was später die Auswertbarkeit des Versuches jedoch nicht beeinträchtigen sollte. Die Vorwinterentwicklung war ausreichend.

Um die etwas weiter entwickelten Sorten vor Auswinterung zu schützen, erfolgte im Herbst eine Fungizidanwendung mit wachstumsregulatorischer Wirkung. Die Insektizidspritzung gegen den Rapserdfloh konnte lange hinausgezögert werden, so dass dann auch der Schwarze Kohltriebrüssler miterfasst wurde. Der Versuch überstand den milden Winter ohne Schäden.

Trotz Einstufung des Versuchsfeldes als "Rotes Gebiet" ist gemäß einer bayernweiten Absprache der Versuchszentren bezüglich der Landessortenversuche zu Winterraps und Winterweizen keine Reduzierung der Stickstoffdüngung erfolgt. Man geht davon aus, dass auch die Praktiker in der Regel bei Raps und Weizen keine Kürzung vornehmen und stattdessen eher die Düngung von z. B. Gerste oder Mais reduzieren werden.

Im Frühjahr war nach einer Insektizidmaßnahme gegen Stängelschädlinge aufgrund des Zufluges von Rapsglanzkäfern über einen sehr langen Zeitraum und der nur zögerlich einsetzenden Blüte eine zweite Spritzung erforderlich. Unter den kühlen Temperaturen im März und April konnte sich der Bestand gut verzweigen und legte so den Grundstein für einen sehr guten Kornertrag.

Die hohe Bodenfeuchtigkeit vor und wiederholte Niederschläge während der Blüte rechtfertigten eine Blütenspritzung gegen Sclerotinia. Ein starkes Unwetterereignis kurz vor der Abreife führte zu nahezu flächendeckendem Lager. Große Hitze und Trockenheit in den Monaten Juni und Juli ließen den Bestand sehr schnell abreifen, so dass die Körner nicht voll ausreifen konnten.

Mit einem Ertrag von durchschnittlich 44,8 dt/ha bei der Ernte am 18.7.2022 wurde deshalb das langjährige Ertragsmittel dieses Standortes um 10 dt/ha unterschritten.

Sortenempfehlung

Für das Anbaugebiet "Fränkische Platten, Jura" werden folgende Sorten zum Anbau empfohlen, wobei es sich ausschließlich um Hybridsorten handelt:

DK Expansion (Bayer)

Die Sorte lieferte heuer am Standort Weiterndorf einen hervorragenden Kornertrag, nach einem nur knapp durchschnittlichen Ergebnis im Vorjahr. Auch überregional und mehrjährig bringt DK Expansion gute Erträge. Bei der Marktleistung schneidet die Sorte meist auf ähnlichem Niveau wie beim Kornertrag ab. DK Expansion reift etwas später ab, hat Schwächen in der Standfestigkeit, ist gut resistent gegen Phoma und durchschnittlich anfällig für Sclerotinia. Die Sorte ist für alle Standorte geeignet und bevorzugt mittlere Saattermine.

Ambassador (Limagrain)

Nach einem sehr guten Ertragsergebnis am Standort Weiterndorf im vorigen Jahr schnitt Ambassador heuer knapp durchschnittlich ab. Überregional und auch mehrjährig liegt die Sorte sowohl im Kornertrag als auch in der Marktleistung leicht über dem Durchschnitt. Leichte Schwächen zeigt sie sowohl in der Standfestigkeit als auch in der Anfälligkeit für Sclerotinia. Dagegen ist sie für Phoma nur durchschnittlich anfällig. Die Sorte weist eine Resistenz gegen das Wasserrübenvergilbungsvirus (TuYV) auf. Weil das Auftreten dieses von Läusen übertragenen Virus‘ im Voraus nicht abzuschätzen ist, stellt die Wahl einer resistenten Sorte eine Absicherung dar. Ambassador eignet sich für alle Standorte und bevorzugt mittlere bis späte Saattermine.

Otello KWS (KWS Lochow)

Otello KWS erreichte heuer am Standort Weiterndorf einen hohen Kornertrag und lag im Vorjahr sogar an der Spitze des Sortiments. Auch im Anbaugebiet „Fränkische Platten, Jura“ liefert die Sorte stabil sehr hohe Erträge und – dank ihres durchschnittlichen Ölgehaltes – auch sehr hohe Marktleistungen. Die etwas später abreifende Sorte ist gut standfest und überdurchschnittlich resistent gegen Phoma. Sie gedeiht auf allen Standorten und sollte nicht zu früh gesät werden.

Daktari (DSV/Rapool)

Die Sorte schneidet vor allem überregional ertraglich gut ab und weist hohe Ölgehalte auf, wodurch auch die Marktleistung weit überdurchschnittlich ist. Sie ist unterdurchschnittlich anfällig für Sclerotinia und besitzt, ebenso wie Ambassador, eine Resistenz gegen das Wasserrübenvergilbungsvirus. Die Anbauempfehlung gilt für alle Standorte. Sowohl allzu frühe als auch allzu späte Saattermine sollten gemieden werden.

LG Activus (Limagrain/BayWa)

LG Activus erzielt regional und auch überregional, ein- und auch mehrjährig hohe Kornerträge und dank seines hohen Ölgehaltes auch hohe Marktleistungen. Für Phoma ist er weniger anfällig und besitzt auch die Resistenz gegen das Wasserrübenvergilbungsvirus. Die Sorte ist für frühe bis mittlere Saattermine auf mittleren bis leichten Böden geeignet.

Allesandro KWS (KWS Lochow)

Die Sorte belegt in Weiterndorf heuer erneut den Spitzenplatz im Kornertrag und in der Marktleistung und liegt auch überregional und mehrjährig im vordersten Bereich. Allesandro KWS weist eine unterdurchschnittliche Standfestigkeit, jedoch eine verringerte Anfälligkeit für Sclerotinia auf. Er bevorzugt mittlere bis späte Saattermine und passt auf alle Standorte.

Kohlhernie-Standorte

Begrenzt empfohlen wird die Kohlhernie-resistente Sorte Croozer (Norddeutsche Pflanzenzucht/Rapool).
Sie erzielte in Weiterndorf heuer einen ungewohnt guten Kornertrag, nachdem sie in früheren Jahren auch überregional immer deutlich unterdurchschnittlich abschnitt. Die Marktleistung verhält sich aufgrund des durchschnittlichen Ölgehaltes analog zum Kornertrag. Croozer ist frühreif, durchschnittlich standfest und weniger anfällig für Phoma und Sclerotinia. Der Züchter empfiehlt mittlere bis späte Saattermine. Die Anbauempfehlung ist beschränkt auf Standorte mit nachgewiesenem oder vermutetem Kohlhernie-Befall.