Sortenempfehlungen Kartoffeln 2023

Kartoffelfeld mit SortenschildernZoombild vorhanden

LSV Dürrenmungenau

Kartoffelanbau konzentriert sich auf typische Anbaulagen

Auf den meisten Betrieben wurde inzwischen der kleinflächige Kartoffelanbau für den Eigenbedarf oder auch der einst noch übliche Anbau von Futterkartoffeln für die Hausschweinehaltung eingestellt. Die Kartoffelanbaufläche in Mittelfranken hat sich auf dem niedrigen Niveau von ca. 1.270 Hektar einigermaßen stabilisiert; nach wie vor geht sie jedoch von Jahr zu Jahr leicht zurück. Der Schwerpunkt des Kartoffelanbaus liegt dabei mit zusammen derzeit ca. 850 Hektar in den Sandgebieten der Landkreise Roth und Ansbach.
Der für dieses Anbaugebiet repräsentative Landessortenversuch zu Kartoffeln steht in Dürrenmungenau. Dort werden das sehr frühe, frühe sowie das mittelfrühe bis späte Speisekartoffel-Sortiment geprüft.

Pflanzung

Am Standort Dürrenmungenau (sandige Keuperlage bei Abenberg, Landkreis Roth) erfolgte die Pflanzung am 4.5.2022 in ein gepflügtes Feld nach Vorfrucht Winterroggen mit anschließender Zwischenfrucht Ölrettich. Der Boden war feucht, die Legebedingungen waren sehr günstig. Der Bestand lief dank warmer Witterung im Mai rasch und gleichmäßig auf. Das deutliche Regendefizit der Monate Mai und Juni machte sich vorerst nicht bemerkbar, so dass sich Mitte Juni ein sehr schöner Bestand präsentierte.

Trockenschäden

Erst gegen Ende Juni wurden Trockenschäden sichtbar. Die weiter anhaltende Trockenheit, in Verbindung mit sehr hohen Temperaturen, sorgte dafür, dass es praktisch nicht zum Reihenschluss und auch nur ganz vereinzelt zur Blüte kam. Die fehlende Beschattung verschärfte die Situation noch weiter, weshalb – zumindest bei den sehr frühen und frühen Sorten – bereits am 20. Juli bei fast allen Sorten das Kraut zu mindestens 90 % abgestorben war.

Auch die mittelfrühen bis späten Sorten gingen schon Ende Juli in die Notreife über. Den witterungsbedingt geringen Krankheitsdruck mit Phytophthora hatte der Versuchsansteller mit insgesamt nur fünf Fungizidmaßnahmen sicher unter Kontrolle. Kräftige Niederschläge in der letzten August-Dekade sorgten bei einigen Sorten für einen deutlichen Wiederaustrieb und die Bildung von Tochterknollen. Dies vermochte auch die durchgeführte Sikkation nicht gänzlich zu verhindern.

Ernte

Bei der Ernte am 22.9.2022 herrschten günstige Bedingungen. Der extrem sandige, klutenfreie Boden erlaubte eine Ernte ohne Erdanhang. Probleme bereiteten allerdings etliche Sorten, bei denen durch Wiederaustrieb zahlreiche Knollen noch am Kraut hingen und von Hand abgelöst werden mussten. Mit einem Knollenertrag von erbärmlichen 110 dt/ha im sehr frühen und frühen Sortiment wurde das vermutlich schlechteste Ergebnis aller Zeiten an diesem Versuchsstandort erzielt.

Knollenertrag

Die Knollenbonituren ergaben einen zum Teil sehr hohen Schorfbefall bei fast allen Sorten sowie einen Untergrößenanteil von durchschnittlich 28,1 %, bei Spitzenwerten von knapp 50 %. Demzufolge lag der LKP-Marktwarenertrag mit 69 dt/ha im früheren Segment auf einem sehr niedrigen Niveau, woraus sich ein sehr schlechter Marktwarenanteil von nur 63 % vom Knollenertrag errechnet. Die statistische Verrechnung beim mittelfrühen bis späten Sortiment ergab eine Grenzdifferenz von über 25 %, weshalb der Versuch nicht ausgewertet werden konnte. Der Knollenertrag dürfte bei durchschnittlich knapp 130 dt/ha gelegen haben. Als Grundlage für die Sortenberatung dienen hier daher die Knollen- und Marktwarenerträge aus den Vorjahren.

Folgende Sorten werden zum Anbau in Mittelfranken empfohlen:

    Wega (Norika)

    Die kleinfallende Sorte bringt selten Spitzen-, aber verlässlich gut durchschnittliche Knollenerträge bei meist gutem Marktwarenanteil. Wega ist keimruhig bei gut durchschnittlichen Resistenzen gegenüber Krautfäule, Schorf und Blattrollvirus und geringer Anfälligkeit für Y-Virus. Eine gute Ausreife im Feld ist Voraussetzung für eine sichere Lagerfähigkeit.

    Goldmarie (Norika)

    Die als festkochend eingestufte Sorte mit gutem Speisewert erzielte am Standort Dürrenmungenau nach einem schlechten Knollen- und Marktwarenertrag im vorigen Jahr heuer wieder gute Ergebnisse. Mehrjährig zählt sie beim Markwarenertrag sogar zu den leistungsstärksten Sorten im frühen Segment. Allerdings zeigte sie heuer erneut einen erhöhten Anteil missgestalteter Knollen und war auch stärker von Zwiewuchs betroffen. Die Sortierung ist ausgewogen, bei einem geringen Anteil an Unter-, aber auch nur wenigen Übergrößen. Goldmarie weist sehr flache bis flache Augen auf, was zu einer guten Schälbarkeit führt. Die Sorte ist keimruhig, durchschnittlich anfällig für Krautfäule und kaum anfällig für Y-Virus. Gegenüber Schorf und Blattrollvirus ist sie überdurchschnittlich resistent.

    Mia (Norika)

    Mia brachte sowohl in früheren Trockenjahren als auch im vorigen, recht feuchten Jahr hervorragende Knollenerträge mit überdurchschnittlichem Marktwarenanteil. Im heurigen extrem trocken-heißen Jahr fiel sie ertraglich leicht unter den Durchschnitt. Wegen massivem Schorfbefall fiel der Marktwarenertrag sehr stark ab. Mia weist eine durchschnittliche Sortierung auf, ist keimruhig, stärker anfällig für Krautfäule und Schorf und überdurchschnittlich resistent gegenüber Blattroll- und Y-Virus.

    Queen Anne (Solana)

    Die Sorte liefert in Dürrenmungenau mehrjährig zwar nur durchschnittliche Knollen-, dafür aber deutlich überdurchschnittliche Marktwarenerträge. Die sehr flach bis flach sitzenden Augen verbessern die Schälbarkeit. Queen Anne produziert wenige Übergrößen, aber auch nur wenige Untergrößen, weist eine hellgelbe Fleischfarbe auf und ist sehr formschön. Die Keimruhe ist gut bis sehr gut. Für Krautfäule, Schorf und Y-Virus ist Queen Anne durchschnittlich und für Blattrollvirus unterdurchschnittlich anfällig.

    Marabel (Europlant)

    Marabel schneidet in Dürrenmungenau mehrjährig sowohl im Knollen- als auch im Marktwarenertrag gut durchschnittlich ab. Die Sorte mit hellgelber Fleischfarbe bevorzugt mittlere bis gute Standorte und ist verhalten mit Stickstoff zu düngen, um die Speisequalität nicht negativ zu beeinflussen. Marabel ist etwas weniger keimruhig als die meisten anderen empfohlenen Sorten und ist stark anfällig für Blattrollvirus. Die Resistenzen gegen Y-Virus und Schorf sind gut, jene gegen Krautfäule ist nur knapp durchschnittlich.

    Gala (Norika)

    Wenngleich Gala erfahrungsgemäß für eine gute Wasserversorgung dankbar ist, lieferte sie am Standort Dürrenmungenau auch im heurigen Trockenjahr einen überdurchschnittlichen Knollenertrag. Wegen stärkerem Befall mit Schorf fiel sie im Marktwarenertrag etwas zurück, liegt mehrjährig aber immer noch auf gut durchschnittlichem Niveau. Sie bestätigte ihre Einstufung als sehr kleinfallende Sorte mit unterdurchschnittlichem Über- und erhöhtem Untergrößenanteil. Gala erfordert daher eine Stickstoffdüngung, die nahe am Ergebnis der Bedarfsermittlung liegt. Die Sorte ist keimruhig. Ihre Resistenzen sind gegen Y-Virus gut bis sehr gut, gegenüber Krautfäule leicht unterdurchschnittlich und gegen Blattrollvirus gering bis sehr gering.

    Malika (KCB)

    Die als festkochend bis vorwiegend festkochend eingestufte Malika reagierte auf die heurigen Witterungsbedingungen mit einer selbst für die bekanntermaßen kleinfallende Sorte extrem kleinen Sortierung, so dass sie sowohl im Knollen- als auch im Marktwarenertrag massiv abfiel. Mehrjährig erreicht sie in beiden Kriterien aber nach wie vor den Durchschnitt des Sortiments. Die keimruhige Sorte ist durchschnittlich anfällig für Krautfäule, Schorf und Blattrollvirus und sehr gut resistent gegen Y-Virus.

    Zusätzlich zu den bereits beschriebenen Sorten Wega, Marabel und Gala wird für den Vertragsanbau mit der Fa. Henglein auf Flächen mit Nematoden-Befall noch die nicht mehr im Versuch stehende Sorte Aromata (Stet Holland) empfohlen, da sie zur Bekämpfung aller relevanten Nematodenarten zugelassen ist. Auf Flächen ohne Befall stellt sie keine Alternative dar, da sie in früheren Jahren regelmäßig deutlich unterdurchschnittliche Knollen- und Marktwarenerträge lieferte.

    Lilly (Solana)

    Die vorwiegend festkochende bis mehlige Sorte liegt ertraglich im guten Mittelfeld bei häufig überdurchschnittlichem Marktwarenanteil. Die Sortierung ist durchschnittlich, die Keimruhe gut durchschnittlich. Lilly ist gegen Krautfäule, Blattroll- und Y-Virus durchschnittlich resistent und für Schorf weniger anfällig. Um den sortentypisch sehr niedrigen Stärkegehalt nicht noch weiter zu senken, sollte auf Chlorid-haltige Düngemittel verzichtet werden.

    Jule (Solana)

    Jule erzielt für eine als festkochend eingestufte Sorte erfreulich hohe Knollen- und Marktwarenerträge. Sie hat eine gelbe Fleischfarbe und eine gute bis sehr gute Keimruhe. Die Sortierung ist eher schwach; Übergrößen werden kaum gebildet. Jule ist für Krautfäule, Blattroll- und Y-Virus durchschnittlich und für Schorf unterdurchschnittlich anfällig.

    Bernina (Europlant)

    Die früh bis mittelfrüh abreifende Sorte mit tiefgelber Fleischfarbe erreicht meist durchschnittliche Knollen- und Marktwarenerträge, was für eine festkochende Sorte aber akzeptabel ist. Geschmacklich ist Bernina gut. Zu beachten ist die flach bis mittel eingestufte Augentiefe, welche die Schälbarkeit etwas erschwert. Bernina ist keimruhig und weist eine sehr hohe Resistenz gegen Y-Virus auf, ist jedoch anfällig für das M-Virus. Gegen Krautfäule und Blattrollvirus ist sie durchschnittlich resistent. Um die Sortierung der großfallenden Sorte nicht zu sehr zu fördern, sollte eine verhaltene Stickstoffdüngung erfolgen und angesichts des niedrigen Stärkegehaltes auf Chlorid-haltige Düngemittel verzichtet werden.

    Jelly (Europlant)

    Die als mittelspät eingestufte Sorte erzielt weit überdurchschnittliche Knollen- und vor allem Marktwarenerträge mit sehr wenigen Unter- und sehr vielen Übergrößen. Aus der flach bis mittel eingestuften Augentiefe können etwas höhere Schälverluste resultieren. Jelly ist keimruhig, nur durchschnittlich anfällig für Krautfäule und gut resistent gegen Schorf und Y-Virus, aber anfälliger für Blattrollvirus. Die Anfälligkeit für Fußkrankheiten nahm in den letzten Jahren zu, wodurch sich die Lagerfähigkeit verschlechtert hat. Am Standort Dürrenmungenau zeigte die Sorte im vorigen Jahr erhöhten Befall mit Rhizoctonia.

    Sevim (Bavaria Saat)

    Sevim reift mittelspät ab und bringt konstant gut durchschnittliche Knollen- und Marktwarenerträge mit hohem Übergrößen- und geringem Untergrößenanteil, aber flach bis mittel eingestufter Augentiefe. Die Sorte ist keimruhig, hat eine gute bis sehr gute Resistenz gegen Y-Virus und ist auch wenig anfällig für Schorf. Für Krautfäule ist sie jedoch überdurchschnittlich anfällig. Die Resistenz gegen Blattrollvirus ist durchschnittlich.

    Belmonda (Solana)

    Belmonda erzielte unter den unterschiedlichen Bedingungen der letzten Jahre stets sehr hohe Knollen- und Marktwarenerträge. Die flach bis mittel eingestufte Augentiefe erschwert etwas die Schälbarkeit. Belmonda ist großfallend, hat eine gute bis sehr gute Einstufung beim Geschmack und ist sehr keimruhig. Ihre Resistenzen sind gegen Blattrollvirus durchschnittlich, gegen Krautfäule gut durchschnittlich und gegen Schorf unterdurchschnittlich. Für Y-Virus ist sie hoch bis sehr hoch anfällig. Ein regelmäßiger Pflanzgutwechsel ist daher für einen erfolgreichen Anbau unabdingbar. Die Stickstoffdüngung sollte eher knapp bemessen werden.

    Karelia (Europlant)

    Karelia ist auf Flächen mit Pallida-Befall zur Bekämpfung beider Pathotypen zugelassen. Sie ist jedoch nicht ausreichend resistent gegen die Nematodentypen Ro 2, 3 und 5. Am Standort Dürrenmungenau belegt die mittelspät abreifende Sorte mehrjährig den Spitzenplatz im Knollen- und im Marktwarenertrag, so dass eine Anbauempfehlung auch für nicht von Nematoden befallene Flächen gerechtfertigt ist. Das Fleisch der nur mäßig formschönen Knollen ist hellgelb, der Kochtyp vorwiegend festkochend bis mehlig und die Augentiefe flach bis mittel eingestuft. Sortierung und Keimruhe sind gut. Gegen Y-Virus ist Karelia sehr gut, gegen Schorf mittel bis gut und gegen Krautfäule und Blattrollvirus durchschnittlich resistent. Die Stickstoffdüngung ist verhalten zu dosieren, um die Mehligkeit nicht zu sehr zu fördern.

    Spezielle Empfehlung für Nematodenstandorte:

    Olivia (Europlant)

    Speziell auf Standorten mit Nematodenbefall wird die Sorte Olivia empfohlen, die zur Bekämpfung aller relevanten Nematodenarten zugelassen ist. Sie lieferte bislang mehrjährig durchschnittliche Knollen- und überdurchschnittliche Marktwarenerträge bei einer ausgeglichenen Sortierung. Im Jahr 2022 brachte sie extrem niedrige Erträge, die auch auf mindere Pflanzgutqualität zurückzuführen waren. Die als vorwiegend festkochend eingestuften Knollen haben eine gelbe bis tiefgelbe Fleischfarbe und sind keimruhig. Die Sorte ist überdurchschnittlich resistent gegen Krautfäule, Schorf und Blattrollvirus und kaum anfällig für Y-Virus.

    Zusätzlich zu den bereits beschriebenen Sorten Jelly, Sevim und Belmonda werden für den Vertragsanbau mit der Fa. Henglein noch folgende Sorten empfohlen:

    Laura (Europlant)

    Laura erreicht am Standort Dürrenmungenau schon lange nicht mehr das Ertragsmittel des Sortimentes. Daher gilt die Empfehlung auch nur noch für den Vertragsanbau. Sie stellt mit ihrer roten Schalenfarbe, ihrem tiefgelben Fleisch, ihrer guten Geschmacks-Einstufung und ihrer guten Schälbarkeit dank flacher bis sehr flacher Augen und glatter Schale aber eine Besonderheit dar, die im Markt Abnehmer findet. Bedingt durch den höheren Knollenansatz fällt die Sortierung eher klein aus. Laura ist keimruhig und hat ein breites Resistenzspektrum. Hervorzuheben ist die sehr gute Resistenz gegen Y-Virus.

    Quarta (Europlant)

    Auch diese Sorte kann im Knollen- und im Marktwarenertrag längst nicht mehr mithalten. Die Sortierung ist gleichmäßig, die Keimruhe und die Resistenz gegen Schorf gut durchschnittlich. Quarta ist anfällig für Y-Virus und durchschnittlich resistent gegen Krautfäule und Blattrollvirus. Regelmäßiger Pflanzgutwechsel ist sehr wichtig. Durch tiefes Pflanzen und guten Dammaufbau kann dem Ergrünen der relativ flach liegenden Knollen vorgebeugt werden.