Erste Untersuchungsergebnisse und Alternativen bei knappen Futtervorräten
Grassilagen 2022

Kühe am Futtertisch

Der größte Teil der Grundfutterernte ist abgeschlossen. Vereinzelt steht noch Silomais zum Häckseln auf den Feldern und der letzte Grasschnitt für dieses Jahr wächst gerade auf den Wiesen heran. Die ersten Grundfutteruntersuchungsergebnisse aus dem LKV-Labor des 1. und 2. Schnittes sind bereits verfügbar.

Die durchschnittlichen Energie- und Eiweißgehalte erreichen nicht die gewünschten Zielwerte. Und auch die Futtermengen sind aufgrund der diesjährigen Trockenheit niedriger als gewohnt bzw. erhofft.

Untersuchungsergebnisse vom 1. und 2. Schnitt

Ergebnisse vom 1. Schnitt aus Mittelfranken

Im LKV-Futtermittellabor in Grub wurden bislang 61 Proben vom 1. Schnitt untersucht. Für untenstehende Tabelle wurden die Silagen nach dem Energiegehalt gereiht und dann auch nach dem besseren und schlechteren Viertel ausgewertet.

In Mittelfranken ist der Termin für den 1. Schnitt meist Anfang Mai, um Muttertag herum. Der durchschnittliche Erntetermin diese Jahr war der 13.5.22, also etwas später.

Da der April kühler war, begann das Massenwachstum erst Anfang Mai und ging dann aber flott, sodass schnell Gerüstsubstanzen gebildet wurden. Der Anteil an Gerüstsubstanzen ist am ADFom-Gehalt in den Untersuchungsergebnissen abzulesen und beinhaltet die langsam abbaubare Cellulose und das nicht verdauliche Lignin. Der Orientierungsbereich liegt bei weniger als 260g ADFom pro kg TS, im Durchschnitt der bisher untersuchten Proben liegt der Wert bei 313 g, bei den besseren 25% der Proben bei 275 g /kg TS. Die Bestände waren im Mittel also bereits älter. Das obere Viertel der Silagen wurde tendenziell früher gemäht, im Mittel am 9.5. Bei den früher geernteten Beständen fehlte es etwas an Masse, aber die Qualität war gut.

Mit zunehmender Alterung des Grasbestandes steigt nicht nur der Anteil an Gerüstsubstanzen, sondern sinkt auch der Rohproteingehalt. Der Orientierungswert dafür liegt bei mindestens 160 g pro kg TS. Allerdings ist der Rohproteingehalt neben Schnittzeitpunkt, Bestandeszusammensetzung und Düngung auch abhängig von der Menge an pflanzenverfügbarem Stickstoff. Im diesjährigen kühlen April wurde der Stickstoff wahrscheinlich langsamer mineralisiert. Bei steigendem Anteil an Gerüstsubstanzen und sinkendem Rohproteingehalt sinkt auch der Energiegehalt. Der Energiegehalt liegt im Mittel nur bei 5,7 MJ NEL pro kg TS, das bessere Viertel der Proben erreicht mit 6,2 MJ NEL pro kg TS einen guten Wert und nähert sich dem Orientierungswert der Landesanstalt für Landwirtschaft in Grub von 6,4 MJ NEL pro kg TS für den 1. Schnitt.

Der Zuckergehalt schwankt zwischen 0 und 85 g pro kg TS, bei Gehalten über 60 g pro kg TS steigt die Gefahr von Nacherwärmung im Silo nach dem Öffnen. Bei diesen Silagen wäre es wichtig, das Silo 6 bis 8 Wochen geschlossen zu lassen, damit die Silierung abgeschlossen ist und nach Möglichkeit in kälteren Monaten und mit ausreichend Vorschub zu füttern.

Ergebnisse vom 1. Schnitt Grassilage 2022 aus Mittelfranken
 je kg TMAnzahlkleinster Wertunteres ViertelMittelwertoberes Viertelgrößter Wert
TM - Gehalt%612232313141
Rohascheg61789797100128
Rohproteing61106131138148183
nXPg61109119127135144
RNBg61-32226
Rohfaserg61209303270236320
ADFomg61248349313275367
Zuckerg6108233685
ME WdkMJ618,59,09,710,310,9
NELMJ614,95,35,76,26,7
Ergebnisse aus dem Landkreis Ansbach

Aus dem Landkreis Ansbach wurden bisher 19 Proben in Grub untersucht. Die Ergebnisse sind den mittelfränkischen Ergebnissen ähnlich und sind in unten stehender Tabelle mit Mittelwert und der Spannweite vom niedrigsten zum höchsten Wert dargestellt.

Ergebnisse vom 1. Schnitt Grassilage 2022 im Landkreis Ansbach
 je kg TMMittelwert (mit Spannweite)
TM - Gehalt%30 (22 - 38)
Rohascheg99 (81 - 128)
Rohproteing139 (117 - 170)
nXPg127 (115 - 141)
RNBg2 (-2 - 5)
ADFomg313 (248 - 367)
ME WdkMJ9,7 (8,7 - 10,9)
NELMJ5,7 (5,1 - 6,7)

Im Vergleich mit den Jahren 2020 und 2021 kann man ablesen, dass (nach bisherigen Werten) der 1. Schnitt aus diesem Jahr etwas besser ist als der von letztem Jahr, mit dem aus dem Jahr 2020 aber nicht mithalten kann. Es ist auch dieses Jahr wieder mehr Kraftfutter zum Ausgleich von Energie und Eiweiß nötig.

Vergleich der Durchschnittswerte aus dem Landkreis Ansbach der letzten 2 Jahre und diesem Jahr
 je kg TM202020212022
TM - Gehalt%373230
Rohascheg859899
Rohproteing156133139
nXPg137123127
RNBg322
ADFomg275320313
ME WdkMJ10,49,49,7
NELMJ6,25,55,7
Ergebnisse vom 2. Schnitt aus Mittelfranken

Vom 2. Schnitt liegen 24 Probenergebnisse aus Mittelfranken vor. In untenstehender Tabelle sind die Mittelwerte mit der Spannweite dargestellt. Das Erntedatum reicht von Ende Mai bis in den Juli hinein, dies war dieses Jahr stark abhängig vom Schnittzeitpunkt des 1. Schnittes und der darauf folgenden Niederschlagsverteilung.

Im Schnitt sind die Silagen etwas trockener, zum Teil liegt der Trockensubstanzgehalt deutlich über dem Orientierungswert von 30 bis 40 %. Dies kann vor allem in Verbindung mit hohen Restzuckergehalten zu Nacherwärmung nach dem Öffnen der Silagen führen. Bei 6 der 24 Proben liegt der Zuckergehalt über 60g pro kg TS.

Der ADF-Gehalt ist im Mittel ähnlich wie beim 1. Schnitt, allerdings liegen alle bisher untersuchten Proben über dem Orientierungswert für Folgeschnitte von weniger als 280 g pro kg TS. Der Rohproteingehalt schwankt zwischen 107 und 172. Der Energiegehalt erreicht mit 5,5 MJ NEL im Durchschnitt nicht den Orientierungswert von 6,1 MJ NEL pro kg TS für Folgeschnitte.

Ergebnisse vom 2. Schnitt Grassilage 2022 aus Mittelfranken
 je kg TMMittelwert (mit Spannweite)
TM - Gehalt%39 (25 - 53)
Rohascheg89 (74 - 110)
Rohproteing142 (107 - 172)
nXPg124 (105 - 136)
RNBg3 (-1 - 6)
Rohfaserg271 (237 - 315)
ADFomg322 (284 - 362)
Zuckerg46 (1 - 114)
ME WdkMJ9,4 (8,1 - 10,1)
NELMJ5,5 (4,63 - 6,0)

Die Spannweiten der Grundfutterergebnisse machen deutlich, dass man sich nicht auf Mittelwerte verlassen kann. Voraussetzung für eine bedarfsgerechte Fütterung der Rinder ist, dass die Silagen untersucht werden und eine Rationsberechnung durchgeführt wird. Nur so können Kraft- und Mineralfutter zielgerichtet eingesetzt werden und mit gesunden Tieren gute Leistungen erreicht werden.

Was tun bei knappen Futtervorräten?

Dank der guten Erträge im Futterbaujahr 2021 konnten die meisten Betrieben im Landkreis Ansbach Futtervorräte aufbauen. Ohne diese Futtervorräte aus dem Vorjahr würde sich die derzeitige Versorgungslage mit Grundfutter auf den Betrieben deutlich kritischer darstellen. Dennoch gibt es auch Gebiete, in denen die Betriebe aufgrund der starken Sommertrockenheit und den hohen Ertragseinbußen beim zweiten und dritten Grasschnitt sowie beim Silomais mit Futterknappheit zu kämpfen haben. Ertragsausfälle von teilweise ganzen Grasschnitten sowie von bis zu mehr als 50 % beim Mais verdeutlichen die Problematik im Dienstgebiet.

Zukauf von Saftfuttermitteln – eine Option?

Der Zukauf von Saftfuttermitteln wie zum Beispiel Biertreber, Kartoffelpresspülpe oder Rübenpressschnitzel wäre grundsätzlich eine sehr gute Option, um die eigenen Defizite im Grundfuttervorrat auszugleichen. Hinzu kommt, dass die energiereichen und sehr schmackhaften Saftfuttermittel auch eine gute Ergänzung zu den niedrigen Silagequalitäten aus 2022 liefern würden. Allerdings ist die Verfügbarkeit der Saftfuttermittel aktuell kaum noch gegeben.
Rübenpressschnitzel sind bereits komplett vergriffen. Wer hier nicht im Frühbezug bereits geordert hat wird nichts mehr bekommen. Selbst diejenigen, welche bereits im Frühbezug Rübenpressschnitzel bestellt haben, werden auf Grund der hohen Überzeichnung bei den Bestellungen mit starken Kürzungen bei den Liefermengen von teilweise bis zu 50 % rechnen müssen.
Ein ähnliches Bild zeichnet sich beim Biertreber oder der Kartoffelpresspülpe ab. Auch kann der Interessent von Seiten der Landhändler in der Regel nur auf eine Warteliste gesetzt werden. Nur vereinzelt bietet sich evtl. noch die Gelegenheit für Neukunden Lieferungen zu bekommen. Beim Biertreber ist die Versorgungslage in den nächsten Wochen aber im Allgemeinen sehr unsicher. Hier kann es durchaus passieren, dass geplante Lieferungen ausfallen, da Brauereien ihre Produktion wegen den hohen Energiepreisen sowie Versorgungsengpässen beim Malz oder bei der Kohlensäure für einige Wochen aussetzten.
Die Erfolgsaussichten, jetzt noch größere Mengen an Saftfuttermitteln zu ordern, sind also sehr gering.

Welche Optionen kommen noch in Frage?

Auch der sonst zum Teil im Herbst noch mögliche Zukauf von Gras aus dem letzten Grünlandschnitt, wird dieses Jahr vermutlich sehr schwer werden. Steht demzufolge zu wenig Gras- und Maissilage als Grobfutter zur Verfügung und lässt sich das Defizit nicht durch einen entsprechenden Einsatz an Saftfuttermitteln ausgleichen, wäre der erhöhte Einsatz von Stroh zum Strecken der Ration eine Option. Damit lässt sich bei entsprechendem Ausgleich von Eiweiß und Energie Gras- und Maissilage ersetzen. Dies ist aber aufgrund der zunehmenden Verdünnung der Ration nur in sehr begrenztem Umfang möglich und ratsam.
2 bis 4 kg Stroh bilden bei melkenden Kühen in etwa die Grenze für eine Milchleistung von bis zu ca. 30 kg. Die in diesem Jahr im Durchschnitt niedrigen Grundfutterqualitäten erschweren den Einsatz von Stroh in der Ration der melkenden Kühe zusätzlich. Statt bei den Milchkühen sollte eher versucht werden den Silagebedarf beim Jungvieh durch den Einsatz von Stroh zu reduzieren. Bedeutende Mengen können hier vor allem bei der Nachzucht ab dem zweiten Aufzuchtjahr zum Einsatz kommen.
Steht nicht genügend Futter zur Verfügung, muss auf kurz oder lang über eine Reduktion des Viehbestandes nachgedacht werden. Im Milchviehbetrieb sollte hier vorrangig das Jungvieh im Fokus stehen. Vor allem wenn im Milchviehbetrieb alle weiblichen Tiere aufgezogen werden, macht es Sinn, die Nachzucht auf das Maß der im Betrieb notwendigen Bestandsergänzungsrate zu reduzieren. Bei der Aufzucht aller weiblichen Jungrinder beansprucht das Jungvieh immerhin rund 40 bis 50 % der Grobfuttervorräte!

Natürlich kann eine derartige Abstockung, z.B. aufgrund der bereits trächtigen Tiere, nicht abrupt erfolgen. Daher werden Betriebe mit akuter Futternot auch nicht um die Abstockung des Milchviehbestandes umher kommen. Hier sollte sich dann beim Ausselektieren das Augenmerk auf Kühe richten, welche schon des Öfteren negativ mit Euter- oder Fruchtbarkeitsproblemen aufgefallen sind oder eine nur geringe Leistung zeigen.

Wichtig!

Erfassen Sie, sofern noch nicht geschehen Ihre Grobfuttervorräte. Zählen Sie ggf. noch die Ertragserwartung des letzten Schnitts hinzu. Stellen Sie die Vorräte den gefütterten Mengen gemäß Ihres aktuellen Tierbestands gegenüber. Ihre Vorräte sollten dann mindestens für 8-10 Monate reichen (Oktober 2022 bis Juni 2023). Reichen Ihre Vorräte bis zum Juni 2023 nicht aus und ist auch kein Zukauf von Grundfutter mehr möglich, dann sollten jetzt bereits mit der Selektion beim Jungvieh und bei den Milchkühen beginnen.

Weiterführende Informationen finden Sie bei der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL):